Die Würde des Menschen achten: Eine kleine Geschichte zum Nachdenken

Ich stehe vor kurzem auf einem Marktplatz in Osteuropa  an diesem "Eierverkaufsstand", als neben mir eine modisch gut gekleidete junge Frau den Eierverkäufer fragt:
"Für wie viel verkauft du die Eier?" Der alte Verkäufer antwortete: "Ein Ei kostet 25 Cent, Madame". Daraufhin die Dame: "Ich werde 6 Eier für 1 Dollar nehmen oder ich werde gehen". Nach kurzen Zögern antwortete der alte Verkäufer: „Komm, nimm sie zum gewünschten Preis, vielleicht ist das ja ein guter Anfang, weil ich heute noch kein einziges Ei verkauft habe." Sie nahm die Eier und ging davon, mit dem Gefühl, dass sie gewonnen hatte. Sie stieg in ihr schickes Auto und ich traf sie später mit einer Freundin in einem Restaurant, wo sie und ihre Freundin das bestellten, worauf sie gerade Lust hatten. Sie aßen und tranken ein wenig und ließen gut die hälfte von dem Essen stehen. Dann verlangten sie nach der Rechnung. Diese betrug 54,50 Dollar. Sie gab 60 Dollar und sagte dem Besitzer des Restaurants "stimmt so, er könne das Rückgeld behalten".
Dies mag für den Restaurant-Besitzer ziemlich normal gewesen sein, aber sehr schmerzhaft für den armen Eierverkäufer. Der Punkt ist, warum zeigen wir immer, dass wir die Macht haben, wenn wir von den ohnehin schon Bedürftigen kaufen?
Und warum sind oder werden wir großzügig bei denen, die unsere Großzügigkeit eigentlich  gar nicht benötigen?
Jetzt fiel mir ein, dass mein Vater manchmal bewusst von armen Leuten einfache Waren zu höheren Preisen gekauft hat, obwohl er sie manchmal noch nicht einmal brauchte. Er bezahlte sogar extra dafür. Ich war von diesem Erlebten in der Tat betroffen und fragte ihn, warum er das mache? Dann antwortete er nachdenlich: "Es ist eine Art Wohltätigkeit, jedoch verpackt in Würde". Erst viel später habe ich das verstanden.